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Im Rahmen unserer Exkursion besuchten unsere Kollegen Thomas Vouk & Karoline Harrer gemeinsam mit 12 motivierten Studierenden 4 Tage lang Unternehmen, die in unterschiedlicher Weise im österreichischen Energiesystem tätig sind.

 

Erfahrungsbericht:

Am ersten Tag besuchten wir den Mul-Absolventen Johannes Dock bei der Firma Holcim in Mannersdorf, dem größten Zementwerk Österreichs. Zement besteht zum größten Teil aus Kalk, welchem Silizium-, Aluminium- und Eisenoxid zugemischt wird. Der Kalk wird bei der Holcim direkt vom anliegenden Leitha-Gebirge abgebaut und per Fließband ins Werk transportiert. Dann werden die Materialien gemahlen, in mehreren Prozessschritten erhitzt und schließlich im Ofen auf 1250 °C eingeschmolzen und gebrannt. Das daraus gewonnene Material Alit wird abgeschreckt, so bildet sich der Klinker, das Grundmaterial des Zements. Es handelt sich um ein Material, dass in stark gemahlenem Zustand und der Beigabe von Wasser nach Austrocknung sehr fest und stabil wird und daher sehr viel Anwendung in der Bauindustrie findet. Aktuell untersteht die Zementindustrie einem großen Wandel. Bis jetzt wurden die meisten CO2 Zertifikate für die emissionsintensive Industrie frei zugeteilt. Dies soll sich allerdings im nächsten Jahrzehnt ändern. De Firma Holcim dekarbonisert ihre Prozesse indem sie rezyklierte Brennmaterialien wie Plastik verwendet, was in Österreich aufgrund außerordentlicher Abfallqualität möglich ist. Zudem wird versucht, das CO2 intensive Klinker Material (CO2 entsteht direkt aus der Reaktion von Kalk CACO3 zu CaO, das Inputmaterial für den Schmelzprozess) im Endmaterial zu verringern bei gleichbleibender Qualität. Dafür werden beispielsweise rezyklierte Ziegelmaterialien, Flugasche oder Hochofenschlacke beigemischt. Durch die Ausweitung von Brennstoffen und Ersatzstoffen im Endprodukt wird die Produktion von Zement immer komplexer.

Nach einer Pause am Neusiedlersee am Nachmittag ging es am nächstn Tag zu einem Windenergie Standort der Firma Püspök. Am Umspannwerk Zurndorf teilt sich die Firma Püspök den Netzanschluss mit zwei weiteren Unternehmen. Der besuchte Standort besteht aus 6 Windparks, die je um einen ähnlich groß dimensionierten Solarpark erweitert wurden. Bald wird auch am besichtigten Standort ein Co-Location Batteriespeicher ergänzt, dessen Baustelle wir besichtigen konnten. Damit soll die Netzanschlusskapazität optimal genutzt werden. Da Windenergie ca. 2000 – 2500 Volllaststunden im Jahr hat und vor allem in den kälteren Wintermonaten die höchsten Leistungen erreicht, ergänzt sie sich gut mit der Photovoltaik die ihre 1100 Volllaststunden am stärksten in den Sommermonaten erreicht. Der Batteriespeicher soll weiter ökonomische Einspeisung des erneuerbaren Stroms verbessern.

Dass es sich rund um das Umspannwerk Zurndorf um einen ausgezeichneten Windstandort handelt, steht für uns ausser Frage, denn während der Exkursion wehte es uns sprichwörtlich aus den Socken. Die Firma Püspök handelt mittlerweile den meisten Strom direkt am Energiemarkt und macht nur noch wenig von der Einspeisevergütung der OEMAG nutzen. Als große Unsicherheit für das Gelingen des neuen Batteriespeicherstandorts wurde die Regulierung zu netzdienlichen Speichern genannt.

Nach einem Nachmittag in Wien und an der Donauinsel, einem faszinierenden Projekt zur Überschwemmungsvorbeugung des städtischen Raums Wien, besuchten wir das Umspannwerk Bisamberg im Nordosten von Wien. In diesem Umspannwerk führen 110, 220 und 380 kV Leitungen zusammen. Die Anlage ist sehr gut strukturiert und organisiert, alles folgt einem ähnlichen Bauplan, was für das sichere Arbeiten mit so hohen Spannungen essentiell ist. Wir erhielten Einblicke in die vielfältigen Tätigkeitsfelder eines Übertragungsnetzbetreibers: von Schaltvorgängen an Umspannwerken und der richtigen Betriebsweise von Transformatoren, bis hin zu Frequenzsicherung, Redispatch Mechanismus, der Projektierung und Umsetzung von Übertragungsnetzen oder dem Ausgleich von Blindleistung im Netz durch große Spulen. Wir durften an einem Schaltvorgang live dabei sein, Stromleitungen im Querschnitt betrachten und uns ein Bild darüber machen, wie das physikalische Netz Tag für Tag die Energie die wir benötigen und die auf großen Spotmärkten europaweit gehandelt wird, sicher balanciert, leitet und verteilt.

Am letzten Tag besuchten wir die Mul-Absolventin Anna Traupmann bei der Firma Siemens in derem neuen Produktionsstandort in Wollsdorf, nähe Weiz. Dort wurde binnen zwei Jahren ein weiterer Siemensstandort aufgebaut, an dem kleine Drehstrom-Transformatoren vor allem für Windenergieanlagen, aber auch individuelle Industrieanlagen angefertigt werden. Es wurde deutlich, dass die Industrieanlage in der Oststeiermark für internationale Kund*innen produziert, und die kleinen Windtrafos in der ganzen Welt verkauft werden. Der Produktionsprozess ist stark standardisiert, trotzdem werden sehr viele Arbeitsschritte per Hand durchgeführt und ist sehr aufwendig. Qualitätskontrolle funktioniert über Gasproben des Öls, welches in den Trafos zu Isolierungszwecken eingefüllt ist und wird von zwei Monteur*innen immer direkt an den untersuchten Anlagenstandorten durchgeführt (Höhenangst ist hier kein guter Begleiter). Wir trafen auf fünf Alumnis der Montanuniversität der Studiengänge Energietechnik und Maschinenbau die in den Tätigkeitsfeldern technische Entwicklung, Verkauf, Projektplanung, Operations-Management und Qualitätsmanagement und Mängelbehebung tätig waren.

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